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Ein Privatdetektiv hat mit seinem Video die Regierung Österreichs gestürzt.


Im Verfahren gegen Julian Hessenthaler, den Drahtzieher des Ibiza-Videos, könnte am Mittwoch in Österreich das Urteil fallen. Der Tatvorwurf: Drogenhandel. Doch ist das die ganze Wahrheit?


Im Hintergrund des Prozesses geht es aber vor allem um das Video und die Frage, was der Glücksspielkonzern Novomatic mit der ganzen Sache zu tun hat.


Als der Richter am 15. Februar im Prozess gegen Julian Hessenthaler kein Urteil sprach, war nicht nur der Angeklagte enttäuscht. Einer der Macher des legendären Ibiza-Videos, seit 15 Monaten in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt St. Pölten, steht vor Gericht - nicht etwa wegen der Verfertigung einer stundenlangen Aufnahme vom damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Verhandlungen mit einer vermeintlichen, russischen Oligarchennichte. Sondern weil ihm Drogenhandel vorgeworfen wird: Bei drei Treffen an der Autobahn zwischen Wien und Salzburg 2017 und 2018 soll er insgesamt etwa 1,2 Kilo Kokain mit einem Reinheitsgehalt von mindestens 70 Prozent übergeben haben. Hessenthaler sagt, er sei unschuldig, seine Verteidigung sieht in dem gesamten Prozedere Justizwillkür, und die zwei wesentlichen Zeugen, ein Paar aus dem Salzburger Drogenmilieu, widersprechen einander beständig.


Eigentlich, so der Wiener Anwalt Oliver Scherbaum, müsste sein Mandant längst freigesprochen sein. Aber beim letzten Gerichtstermin Mitte Februar kam eine Vernehmung mit der Mutter eines Zeugen nicht zustande, die sich vage über eine Bedrohung geäussert hatte. So wurde erneut vertagt. Seine Geldleistungen für Informationen über Hessenthaler hätten aber mit dem aktuellen Fall nichts zu tun und auch nichts zu bedeuten, sagte Schmidt vor Gericht und auch im Gespräch mit der Zeitung vor einigen Wochen; der Mann habe ihm eben unter anderem wertvolle Informationen über das Video geliefert. Dass ein Zeuge, der einem auf Ibiza ins Zwielicht geratenen Konzern zuarbeitet, einem anderen Zeugen ein Honorar bezahlt, scheint das Gericht bisher nicht gestört zu haben.


Der des Drogenhandels verdächtige Hessenthaler habe nämlich angeführt, dass die Vorwürfe gegen seine Person aufgrund von "Falschbelastungen aufgekommen" seien, "hinter denen Professor Gert Schmidt stehe". Auch ihm selbst als Novomatic-Gegner, so Sochowsky, hätte Schmidt schon einmal versucht, "Drogen unterzuschieben". Der Lobbyist Schmidt, der Jagd auf illegale Glücksspielautomaten-Betreiber und somit auf Konkurrenten von Novomatic mache, habe dereinst dazu auch "konkrete Schritte gesetzt", indem er einen früheren Mitarbeiter, Günther Wanker, damit beauftragt habe.


Hessenthalers Anwalt Oliver Scherbaum bestätigte, dass das Gericht in St. Pölten die Eingabe von Sochowsky, die von Wanker gestützt wird und seinem Mandanten mehr Glaubwürdigkeit verschaffen soll, zum Akt genommen habe. Es gelte jetzt, so Scherbaum, zu zeigen, dass das "System Schmidt ein System ist" und dass man das Ibiza-Video nicht von der vorliegenden Anklage trennen könne. Tatsächlich hatte der Richter am Landesgericht St. Pölten beim letzten Verhandlungstag im Februar vor allem Interesse an der Erstellung des Ibiza-Videos und seinen Folgen gezeigt und Hessenthaler dazu befragt. Wann die nächste Verhandlung oder gar ein Urteil anstehen, ist noch unklar. Hessenthaler bleibt derweil weiter in Haft.


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